Pfarrgeschichte von Nickenich

Die Tatsache, daß in unserer Chronik viele Adelsfamilien frühzeitig erwähnt werden, läßt den Schluß zu, daß die Pfalzgrafen, seit Karl des Großen Leiter großer Bezirke, ihre Getreuen mit Gütern in der Nähe belohnten und ansässig machten. So saß auf dem Ostufer des Lascher Sees der Pfalzgraf Heinrich v. Laach (1085/95), der wohl als Mitbegründer der Laacher Abtei genannt werden darf. Er oder seine Vorgänger und Nachfolger mögen treue Gefolgeleute mit Güterbesitz ausgestattet haben. Sie waren und blieben Lehensleute, die mehr oder weniger zu Ansehen kamen. Wilkes zählt uns diese vornehmen Geschlechter auf, die sich urkundlich erweisen lassen: Die Waldbotten v. Bassenbeim, die v. Braunsberg, v. Dadenberg, v. EItz, v. Enschringen, die v. Gramann, die Mul v Ulmen, Kaldenborn, die Kolb von Wassenach, v. Lahnstein, die Meinfelder, v. (dem Weiher zu) N., Schilling v. Lahnstein, die Staffeln, Sötern, Vilmar, Wentz und Winkel. Dieser Adel war Fördere, des Kirchenbaus und errichtete auf eigenem Grund und Boden sogenannte Eigenkirchen. Er behielt sich aber das Verfügungsrecht, die Stellenbesetzung dieser Kirchen vor. Eine solche Eigenkirche wird auch unsere Kirche gewesen sein.

Eine erste urkundliche Erwähnung dürfte die päpstliche Bestätigung vom 5. 5. 1069 durch Alexander II für das Kloster Salvator in Toul sein. In dieser Urkunde erfahren wir, daß Bischof Udo Besitz in Nehtenis (Wilkes), den er von seinen Eltern daselbst geerbt, besagtem Kloster übereignet hat. Mit diesem Besitz war ein Viertel des Patronatsrechtes der Maximinskirche verbunden. Udos Familie war durch Verwandtschaft und aus anderen uns unbekannten Gründen, vielleicht als Forüerer der Kirche N. zu diesen Rechten gelangt. Wie lange das Kloster in Toul diese Rechte zu wahren wußte, ist noch nicht aufgehellt. Doch scheint es, daß die Erzbischöfe von Trier langsam alle Rechte zu erwerben suchten, was wirklich 1295 (CDRM.) und 1335 zur Tat wurde, denn 1295 verzichten die Gebr. H. Theoderich und Theoderich, gen. Meyneuelder zugleich im Namen ihrer Schwestern auf die Patronatsrechte von Nickenich (Zeugen die Ritter Th. v. Pirmont und Herm. Hademar); dasselbe geschah. als 1335 Ritter Wilhelm v. Dattenberg ebenfalls auf seine Patronatsrechte verzichtet hatte. Nun war Trier im Besitz aller Patronatsrechte und incorporierte am 29.8.1335 unsere Pfarrei (MRR 478) dem Karthäuserkloster St. Alban bei Trier. Erst nach über 50 Jahren bestätigte Papst Urban VI. diesen Rechtsvorgang des EB. Balduin (29. 11. 1387). Der Abt Borich von St. Maximin wurde mit der Ausführung betraut, die er am 28. 1. 1388 zu Ende führte. Von dieser Zeit an nahm St. Alban die Besorgung der Pfarrstelle in die Hand. Erst durch die Französische Revolution und ihre Folgeerscheinungen ging dieses Recht verloren.

Zum Bering der Pfarrei wird wohl Wassenach (Marx 6) stets gerechnet, wenigstens aber schon 1475, um dann 1844 durch Bischof Arnoldi zur kanonischen Pfarrei erhoben zu werden. Nur kurze Zeit war Eich Filiale von N. (1805/20). Z. Zt. liegen nur kleine Siedlungen, wie Hotel Waldfrieden, die Heimschule und das Antoniusheim, im Plarrsprengel von N.

Pfarrkirche

Die heutige Anlage dürfte wohl die dritte ihrer Art sein. Dem ersten Bau vielleicht mit kleinem Ausmaße folgte gegen 1200 die zweite Kirche, von der der Turm, romanisch, nod, heute erhalten ist. Dieses zweite Gotteshaus gewährte nach erhaltenen Grund- und Aufrissen ein ungleich reizvolleres Bild. Sie zerfiel in ein Hauptschiff, 39 x 38 Fuß mit dem Chor, 21 x 17 Fuß und ein kleineres, nördlich angefügtes Nebenschiff mit der neben dem Chor befindlichen Sakristei. An der Südseite war zwischen einem der beiden Eingängen und dem Chor die Luztakapelle (Gramannschörchen) eingebaut. Im Grundstil romanisch, war der Chor wie auch das Gramannschörchen spätgotisch, wohl gegen 1500 erbaut. Zwei freistehende Pfeiler vermitteln den Übergang von Haupt- und Seitenschiff, erinnern an Saalbauten, wie sie gegen 1500 üblich waren. Es seien nur genannt Uess, Rockeskyll, Kues u. a. Da keine Nachrichten von Um- und Anbauten bekannt sind, mag man nach dem Baustil von Chor und Luziakapelle wohl als Erbauungszeit tasten zwischen 1450 und 1500. 1621 und 1680, auch noch nach 1785 war der bauliche Zustand gut, nachdem 1739 die Kirche um einen Nordflügel bereichert worden war; auch der Kirchturm, 1762 vom Sturm abgedeckt, erhielt damals seine heutige Gestalt. Die Jahre gingen dahin; auch fur unser Gotteshaus, das langsam auf einen Neubau drängte.

Bereits 1828 betonte Bischof v. Hommer die Notwendigkeit einer Neuanlage. So hören wir denn 1831 von Kirchbauplänen: Am 5. 8. 1831 bittet die kirchliche Behörde in Trier die Regierung in Koblenz, den Gemeindewald von N. als Hilfe fur den Bau in Anspruch zu nehmen. Obwohl die Regierung guten Willen zeigt, will der Kirchenvorstand die ganze Last - etwa 12 000 Taler - auf die Gemeinde abwälzen, während die Regierung auch die Mithilfe der Kirchenfabrik sehen möchte. Die Gemeinde mit 2000 M.WaId hätte in zehn Jahren die ganze Schuld abtragen können. 1835 legte Baumeister Nebel einen Kostenvoranschlag von 16427 Talern vor. Aber die Angelegenheit verzögerte sich. Die Kirchenfabrik, die nächste 12000 ausgeliehen, ließ sich erst 1846 bewegen, 2400 Taler fur den geplanten Zweck herzugeben. Nun konnte der Neubau beginnen. Nach Herrichtung einer Notkirche, in der am 4. 7. 1846 der erste Gottesdienst stattfand, legte man die alte Kirche (der Turm blieb stehen) nieder. Nicht Baumeister Nebel, sondern Architekt v. Lassaulx in Koblenz konnte seine Pläne verwirklicht sehen. Die Bauausführungen erhielt ein junger Bauunternehmer Dalmar aus Cochem. Grundsteinlegung am 2. 5. 1845. Trotz mancherlei Schwierigkeiten, die dem Pastor vor und während der Bauzeit von Mannern der Zivil- und Kirchengemeinde bereitet wurden, kam das stolze Werk in den Jahren 1846-48 zum Abschluß; ein froher Tag wurde der 25. 9. 1849. als Bischof W. Arnold, im Beisein von 51 namentlich aufgezeichneten geistlichen Herren die feierliche Konsekration vornahm.

1938 konnte die Sakristei nach den Entwürfen des Diözesanbaumeisters Weyres erweitert werden. Als Kirchenpatron ist nach Ansicht einzelner Forscher ursprünglich St. Maximin erwähnt (1069). Bald erscheint St Arnulphus († 641 als Bischof von Metz). Die Abtei St. Arnulphus bei Metz hatte Besitz in Neef, der später, ca. 1139, an das Kloster Laach überging. Von dort aus mag durch den aus N. gebürtigen Abt Joh. Winkeln (1328-33) der neue Patron in N. heimisch geworden sein. Bereits 1354 ist seine Verehrung bekannt; 1430 kennt man eine Arnulphusbruderschaft und 1440 einen Altar unseres Kirchenpatrons. Er blieb es bis in unsere Zeit; besonders im 18. und 19. Jh. viel verehrt.

Ausstattung: Die alte Pfarrkirche war 1657 im Besitz von sechs Altären: a) der Luziaaltar mit einer WM., dessen Inhaber der Pastor war und 12 Taler Vergütung bezog. b) Michael-, c) Nikolaus-, d) der Arnulphusaltar, die alle drei durch den Frühmesser, damals Jak. Cusanus, der vom AD. investiert war, mit täglichen hl. Messen bedient wurde. Dieser Herr hatte eigenes Haus und empfing für seine Leistungen 22 Mltr. Korn, 5 Gulden und den Ertrag von 2 M. Land und 1 M. Weinbergen. e) Der Sebastianusaltar mit einer Messe am 20.1. und f) den Annaaltar mit einer WM., die der Pastor Joh. Mohr von Eich zu leisten hatte und dafür 10 Gulden erhielt. 1680 ist ihre Zahl auf sieben gestiegen: der Marienaltar, auf der Evangelienseite der Joh. Ev und Luziaaltar; davor die Altäre z. E. der hI. Arnulphus, Anna, Nikolaus und Michael. 1885: der Hochaltar z. E. der Muttergottes und des hl. Arnulphus von den Karthäusern gestiftet; sodann Altare z. E. des hl. Sebastian, Nikolaus und Anna. Noch 1828 diese Zahl. Doch die neue Kirche beschränkte diese Überfülle, da 1848 nur drei Altäre projektiert waren, 1852 dem Dombaumeister Statz übergeben. Sie sind 1870 dem Kirchenpatron, der Muttergottes und dem hl. Nikolaus (2. Patron) dediziert. (Die drei Altäre kamen auf 1500 Taler. Eine erste Orgel lieferten 1850 die Begr. Weil in Neuwied für 2425 Taler.) An Meßinventar waren 1657 eine Monstranz, Silber, vergoldet, ein Ziborium und zwei Kelche vorhanden. 1677 ist noch ein Kelch und ein Kommunikantenbecher hinzugekommen. 1875: die Monstranz, Kupfer, aber schlecht vergoldet; ein Ziborium, innen vergoldet und vier Kelche, teils Silber, teils nur vergoldet. 1828: wie 1785, doch nun ein zweites Ziborium, das Pfr. Ries aus dem aufgelösten Kloster Tönisstein gerettet hatte. Als eine Stiftung des ehemaligen Priors Franz Abell trug es die Inschrift: Franz Abell V. Nideggen, Prior in Tönisstein curavit 1655. 1869 war soeben zum alten Bestande eine neue Monstranz gekommen. Auf Reliquien, besonders des hl. Arnulphus, wird seit 1680, auch noch 1869 (drei Reliquiare, eins mit einer Kette und vier Reiiquienkasten) hingewiesen. Außer den Figuren der Madonna, der hl. Nikolaus und Sebastianus, alle 18. Jh., sei noch erwähnt die Barockfigur des hl. Arnulphus, mit Reliquienkapsel dieses Heiligen, gestiftet 1680 oder 1687 durch den Trierer AD. Heinr. Ferd. v. d. Leyen, angefertigt in Mainz. Es bleiben die Glocken. Drei alte Glocken waren noch 1935 erhalten: 1. Eine romanische, ohne Inschrift, am oberen Rand zwei Bänder als Ornament, dazwischen viermal das Kreuzzeichen. 2. Die Marienglocke von 1490 mit der Inschrift in gotischen Minuskeln: Maria haissen ich, Clas von Enen (bei Grevenmacher), der gos mich. 1490. 3. Die Arnulfusglocke von 1580 mit folgender Inschrift: Sancti Arnulphus heißen ich, zum Deenst Gotz roffen ich, die Doten beklagen ich, dv Synder bekier dich, so gibt dir Gott sein ewig Reich A. 1580. Darunter: Heinrich von Collen gauss mach? johannes Franck, Pastor, Henrich Thvr Bavmeister, Gerhart Engel Hembvrg Adam Koening. Die von Pastor M. Haud 1765 angeschaffte und im 1. Weltkrieg abgegebene Glocke hatte diese Inschritt: S. Sebastiane ora pro nobis; durch Feuer und Flamm bin ich geflossen, Meister Jakob Hilden von Cöllen hat mich gegossen. Servatius Wolf, Bürgermeister, Ant. Betzing, Jak. Rossbach, Geschworene 1765. Neue Glocken kamen 1817, 1836. 1888 und 1893, die nicht mehr vorhanden sind.

Patronatsverhältnisse:

Der Ort ist uralt. Römische Baureste und Begräbnisplätze beweisen dies. Es sei erinnert an den 29. 2. 1932, als das Provinzialmuseum in Bonn bei Grabungen einen schweren Denkstein, eine sogen. Stelengruppe aus dem 3. Jh. zutage förderte mit der Majuskelinschrilt: CONTWINDA ESUGGONIS SILVANO ATEGNISSA EX TES. Das dreiteilige Familiengrabmal aus Kalkstein zeigt in der mittleren Nische eine Frau mit Knaben, rechts und links je eine Männerfigur. Ferner stieß man auf ein Zenotaph, ein leeres Grabmal, ein Rundbau von 7 m Durchmesser, alles Zeichen für eine gutsituierte Familie, die hier ihre Ruhestätte gefunden, vielleicht die eines höheren Beamten. N. darf sich seines Alters rühmen! - In ältester Zeit war, wie schon gesagt, das Gebiet den Pfalzgrafen unterstellt, deren Untergrafen die Grafen von der Are und dann die von Virneburg als oberste Gerichtsherren die Rechte wahrnahmen. Nach dem Aussterben der Virneburg (1545) erwarb Kurtrier die ganze Pellenz, also auch unser N., die dem kurtrierischen Amt Mayen zugeteilt wurde. Nur von 1653-1728 war N. an Lothar Ferd. v d. Leyen zu N. für 2000 Taler verpfändet. 1801-1814 im Kanton Andernach, seit 1815 im Krs. Mayen.

Dezimatoren waren die Karthäuser, die 1680 den Chor zu bauen hatten, während die Kirchenfabrik das Schilf und die Zivilgemeinde fur den Turm Sorge zu tragen hatten.

Seelenzahl

Vor 1600 stand der Ort an Größe vor Niedermendig und Plaidt, wie uns das Feuerbuch von 1563 belehrt. Damals in Nickenich 96 Feuerstellen; gegen 1600 gehörten zum Holgeding des Herrn v. d. Leyen 60 Höfer. Die Zahl ging zurück, da 1657 nur 300 Kommunikanten, die aber bald wieder anstieg: 1680: 80 Familien und 550 Kommunikanten; 1784: 129 Häuser, 130 Bürger; 1785: 447 Kommunikanten; 1828: 200 Familien, 600 Kommunikanten, 914 Katholiken, 8 Mennoniten, 7 Judenfamilien; 1870: 860 Kommunik., 298 Kath.; 1890: 1420 Kath., 22 J.; 1910: 1701 Kath., 14 J.; 1925: 1877 K., 9 P., 12 J.: 1936: 1950 K., 4 P., 10 J.; 1950 2085 K., 64 P., 4 sonst.; 1960 2300 K., 120 P.


 
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Ein Bibelzitat: Werft euer Vertrauen nicht weg, welche seine große Belohnung hat. [Hebräer 10, 35]




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