3. Die St. Michaelskapelle (Frühmesse)

Die St. Michaelskapeile, die Stiftung eines frommen Ritters von Nickenich, ist aus der Erinnerung der Ortseingesessenen gänzlich verschwunden. Nur der Zweck der Stiftung lebt noch in der Straßenbezeichnung "auf der Frühmesse" und in dem "Frühmessergut" der Pfarrkirche fort.

Die Kapelle wurde von dem Ritter Siegfried von Nickenich, den uns Urkunden aus den Jahren 1343 und 1346 als erzbischöflich-trierischen Lehensmann nennen, gestiftet, und zwar mit der Bestimmung, daß in ihr "alle Dienstage und Freitage vor Aufgang der Sonne" eine hl. Messe gelesen werde solle. Damit wird die Bezeichnung "Frühmesse" verständlich. Erzbischof Balduin von Trier bestätigte am 5. Mai 1352 die Stiftung und übertrug die Michaelskapelle gleichzeitig der Karthäuserabtei St. Alban, die damit also die gleichen Rechte und Pflichten übernehmen mußte wie be der Pfarrkirche. Das genaue Jahr des Kapellenbaues steht nicht fest.

Der "Altar des hl. Michael wird erstmalig in der Generalsteuerliste des Trierischen Klerus erwähnt, die unter Erzbischof Balduin (1307-54) angelegt worden ist.

Die Michaelskapelle lag auf dem die Kirche umgebenden Friedhofe neben dem Beinhause - ein solches soll sie ursprüngich selbst gewesen sein - und hatte eine Länge von 23, eine Breite von 13 Fuß; einen Turm besaß sie nicht. Im Jahre 1616 befand sie sich noch in guter baulicher Verfassung, 1695 aber mußte sie gründlich renoviert werden, wozu der Pater Schaffner der Karthause 12 Reichstaler bereitstellte. 1785 war das Gotteshaus bereits ganz baufällig und wird bald darauf abgerissen worden sein. Ober die innere Ausstattung der Kapelle erfahren wir nichts mit der Ausnahme, daß sich an ihrem Gewölbe das Doppelwappen des Erzstifts Trier und der Grafen von Virneburg befand.

Vermögensrechtlich war die Michaelskapelle selbständig und unabhängig von der Pfarrkirche, wohl aber hatte der jeweilige Pfarrer als Vertreter der Karthause eine Art Aufsichtsrecht über sie. Ober die Entstehung des Kapellenvermögens ist nur wenig zu erfahren. Eine Urkunde des Jahres 1475 berichtet über einen Gartentausch der "Frühmesse" mit dem Zisterzienserinnenkloster Namedy in der Flur "Eckelsdall". 1501 stiftete der hemalige Frühmesser Arnold Simonis mit einigen Grundstücken eine Wochenfrühmesse. Zu Ende des 18. Jahrh. besaß die Frühmesserei ausgedehnte Liegenschaften in Nickenich (u. a. 2640 Weinstöcke), Wassenach, Kretz, Plaidt, Kärlich und Bassenheim, sowie einen Tuffsteinbruch in der Keller Gemarkung; dazu verfügte sie über ein ziemlich beträchtliches Kapital, das zinsbar angelegt war.

Die Feier des Gottesdienstes in der Kapelle lag einem besonderen Geistlichen, dem sog. Frühmesser (primissarius), ob. Er wurde von der Karthause ernannt und besoldet, mußte aber von seinem Gehalte stiftungsgemäß die gottesdienstlichen Paramente bestreiten. Der Frühmesser zu Nickenich konnte gleichzeitig Pfarrer eines anderen Ortes sein, wie z. B. der Eicher Pfarrer Heinrich Alter aus St. Vith, der auch in der Michaelskapelle seine letzte Ruhestätte fand. († 15. Dez. 1632).(1) Einige der Frühmesser verwalteten die Filiale Wassenach mit, wie schon oben erwähnt wurde.

Die Wohnung des Frühmessers lag "zwischen dem öffentlichen Wege und dem Beinhause bei dem Friedhofe", also wohl auf der heutigen "Hohl"; dazu gehörte ein Garten, der sich "bis zum Obstgarten des Pfarrers" erstreckte. Das Haus, aus Tuffsteinen erbaut, war zu Ende des 17. Jahrh. baufällig und nicht mehr bewohnbar. Die Frage, wer zum Neubau verpflichtet sei, führte zu einem langwierigen Streite zwischen der Karthause, der Gemeinde und dem Frühmesser. Über die Entscheidung des Streites versagen die Quellen; nur mag die Notiz verzeichnet sein, daß sich 1683 einige reiche Nickenicher Bürger bereit erklärten, aus eigenen Mitteln den Neubau zu übernehmen, wenn die Karthause auf ihr Patronatsrecht verzichte.

(1) Hier war auch der Burgverwalter Joh. Friedr. Strasser aus Cochem † Oktober 1629).


 
Nickenich in der Pellenz, Seite 23 bis 25 Index Vorherige Seite Nächste Seite

Ein Bibelzitat: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. [Epheser 6, 10]




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