5. Geistlicher Grundbesitz zu Nickenich

Neben den Erzbischöfen von Köln und Trier besaßen zu Nickenich auch mehrere klösterliche Gemeinschaften zum Teil recht bedeutenden freieigenen Grundbesitz und Gerechtsame aller Art. Diese Klostergüter gehen in ihren Anfängen durchweg auf Schenkungen der Grundherren oder, mit deren Erlaubnis, der von diesen belehnten Ritter zurück. Im Laufe der Zeiten durch Neurodungen oder Ankäufe erweitert, werden die Länderelen überwiegend gegen geringes Entgelt (meist den Zehnten des Ertrages), an die Ortsbewohner verpachtet. Der Anteil der Geistlichkeit am gesamten Grund und Boden zu Nickenich belief sich um das Jahr 1720 auf 42% (139330 Ruten) des Kulturlandes. Darin war der Besitz der Pfarrkirche wohl mit eingeschlossen.

Als erste klösterliche Gemeinschaft besaß das Kloster St. Salvator in Toul zu Nickenich die Güter, die ihm der Bischof Udo von Toul vor 1069 geschenkt und die dieses dann dem Erzbischofe von Trier übertragen hatte. Von den Ländereien des Augustinerinnenklosters St. Thomas bei Andernach ist die große Schenkung von 50 Morgen Wald besonders zu erwähnen, die ihm der Ritter Hermann von Nickenich im Jahre 1226 machte. Wahrscheinlich war dieser Wald eins mit dem heute sog. "Forst". Bedeutender waren die Güter des Zisterzienserinnenklosters (1) Namedy bei Andernach. Dessen Besitz umfaßte im Jahre 1549 ein Haus, 9 Hofreiten. 55 Acker, 74 Wingerte, 10 Gärten, 17 Hecken und zwei Holzhütten (Bordhäuser) mit einem Gesamtzinsertrag von 1869 1/2

Hellern, einem Betrage, der die Einkünfte des Klösterchens in Namedy selbst mit 1825 Hellern Zins noch übertrat. Nach Aufhebung der Abtei im Jahre 1573 wurden die Güter dem Nonnenkloster Oberwerth bei Koblenz überwiesen. Im 15. Jahrh. scheint auch die Abtei Hersfeld Gerechtsame zu Nickenich besessen zu haben. Am 21. April 1468 belehnt Abt Ludwig von Hersfeld den Ritter Emmerich von Lahnstein mit Eigenleuten (Leibeigenen) des Stiftes zu Nickenich, Plaidt, Kruft und Ochtendung, wie vorher die Ritter Meinfelder belehnt waren. Näheres ist darüber nicht bekannt. Eingehenderen Aufschluß geben unsere Quellen über den Wirtschaftshof der Karthäuser von St. Alban bei Trier, die heute noch sogenannte "Karthause", und über die Beziehungen des Ortes zur Abtei Maria Laach.

Der Karthäuserhof

Der Karthäuserhof war ursprünglich ein kurtrierischer Lehenhof. Er befand sich in Händen des Ministerialengesdilechtes der Ritter Winkelin oder Winkel von Nickenich. Die Familie saß vielleicht vorher auf der kurtrierischen Neuerburg im Kreise Wittlich als Burgmannengeschlecht und wurde wohl um 1300 nach Nickenich "versetzt". Ihr Wappen war ein roter Schild mit weißem Schildhaupt (oberem Teil), in dem sich zwei rote Seeblätter befanden. Der erste uns bekannte Sproß der Familie war Abt Johann Winkelin von Maria Laach (1328-33), dessen schon oben gedacht wurde. Ein Ritter Heinrich Winkelin überträgt 1331 seine Andernacher Besitzungen an den Junker Philipp von Schöneck, wohl unter einem gewissen Zwang, da er sich 1330 noch in dessen Gefangenschaft befindet. Ein Bruder dieses Heinrich Winkelin war der "Herr" Jakob Pletz von Montabaur, der auch 1330 genannt wird. Die Eheleute Ritter Heinrich Winkelin und Nesa (Agnes) waren Inhaber des kurtrierischen Winkelinhofes, den sie 1340 dem Karthäuserkloster St. Alban übertrugen. Heinrich und Agnes hatten keine Söhne. Ihre Besitzungen in Wassenach gingen an die Söhne ihrer Töchter über. Die beiden Brüder, Dietrich und Walram Winkelin, von denen Dietrich Mönch in der Abtei Laach war, verpachteten 1373 Wiesenbesitz in Wassenach an die Andernacher Schöffen Dietrich und Johann Hundt. 1379 verkaufte Wairam seinem Bruder Dietrich seine Wassenacher Güter. Die letzte Urkunde, die uns von der Familie Winkelin zu Nickenich Kunde gibt, ist ein Lehensrevers des Ritters Wairam gegen Friedrich, Herrn von Schönedt und Olbrück, wegen eines Hauses in Andernach.

Zu dem Winkelinhofe (curia) gehörten die halbe Edelmärkerschaft im Nickenicher Walde, eine Hofstätte (area) im Dorfe, mit der gleichfalls eine halbe Märkerschaft verbunden war, 63 Morgen Land im Nickenicher Banne, ein Morgen Weinberg mit einem Jahresertrage von einem Fuder, ein Weinberg in Wassenach, Wiesen daselbst mit zwei Wagen Heuertrag, endlich noch Zinseinkünfte aus beiden Orten in Höhe von 24 Schillingen und 24 Hühnern. Diesen ganzen Besitz schenkte Erzbischof Balduin von Trier als Lehensherr der Ritter Winkelin dem 1332 gegründeten Karthäuserkloster St. Alban bei Trier, dem er besonders zugetan war, wie er das auch durch die Inkorporation der Pfarrkirche bewiesen hatte. Von größeren weiteren Erwerbungen zu dem Winkelinlehen durch die Karthäuser erfahren wir nichts, nur die Eheleute Ritter Wilhelm Meinfelder und Grete von Bell verkaufen ihnen 1457 (8) Güter. Wegen einer Rodung am See bezw. des daraus pflichtigen Zehnten verglich sich die Karthause 1384 mit der Abtei Laach. Ein Streit mit der Gemeinde Nickenich wegen der Viehtrifft und des Bauholzes im Nickenicher Walde wurde am 24. Oktober 1624 derart beigelegt, daß die Karthause mit Genehmigung der Gemeinde auch Bauholz über den Normalbedarf hauen dürfe.

Der Karthäuserhof war kein Kloster, sondern nur ein Wirtschaftshof, auf dem ein besonderer Hofmann schaltete. Ihm lag die Bearbeitung der zum Hofe gehörigen Liegenschaften wie auch die Entgegennahme des für die Kirche eingehenden Zehnten ob, worüber er dem Pater Schaffner oder Kellermeister des Klosters Rechenschaft ablegen mußte. Der heute noch stehende Bau wurde im Jahre 1755 errichtet.

Bezüglich der Handhabung der Zehntleistung ist im Anschluß an eine Zehntordnung vom Jahre 1615 etwa Folgendes zu sagen: Von je 10 Getreidegarben, die im Felde geerntet wurden, war eine abzuliefern. Ein Restbestand von über 6 Garben wurde für 10 verzehntet, ein solcher bis zu sechs Garben war frei. Erbsen, Bohnen und Linsen wurden auf Hürden gesetzt und verzehntet, und zwar war von 5 Hürden eine halbe abzugeben. Das gleiche galt für den Flachs. Für die Lieferung des Weinzehnten war bestimmt, daß jeder möglichst seinen Ertrag in geeichten Bütten sammele, um die Ablieferung des Zehntweines zu erleichtern. Scharf wurde darauf geachtet, daß keine weißen und roten Trauben untereinandergemischt, auch keine unreifen Trauben abgeliefert wurden. Beim Lämmerzehnten überließ man die Bestimmung des Zehntlammes dem Zufalle, indem man alle Lämmer in eine Hürde sperrte und dann zur Türe hinausließ; das jeweils zehnte Lamm gehörte dem Herren. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften unterlagen einer Strafe von 10 Talern. An Kornzehnt gingen zu Anfang des 18. Jahrh. 120 Malter, an Weinzehnt etwa 3 1/2 Fuder ein.

Das Verhältnis des Klosters zu den Ortsbewohnern war ein durchaus gutes. In Zeiten großer Not hatten diese an den Karthäusern allzeit hilfsbereite Freunde. Ein beredtes Zeugnis dafür bietet eine Urkunde vom Jahre 1563, laut welcher Heimbürger und Geschworene der Gemeinde Nidienich den Mönchen die Erlaubnis erteilen, einen Teil des "gemeinen Bronnens" in den Karthäuserhof zu leiten. Dieses Entgegenkommen wird von der Gemeinde begründet mit den vielen Wohltaten welche die Gemeinde von der Karthause erfahren habe, "insbesondere aber, so heißt es in der Urkunde weiter, welchermassen sie (die Karthäuser) in dieser teurer und schwerer Zeit, da weder Gelt vorhanden, weder Frucht umbs Gelt bey uns zu bekommen gewesen, ihre Frucht, welche sie bey den Fremden höher (hatten) ausverkaufen (können) - ihnen auch darzu zum fleißigsten gedankt wäre -, uns umb einen ziemblichen Pfennig, unser Gelegenheit nach zu zahlen, vergünstiget und nachgelassen haben". Die hier erstmalig erwähnte Nickenicher Wasserleitung begann in der am oberen Ende der "Bachgasse" liegenden Brunnenstube. Von dort aus wurde das Wasser durch offene Steinmulden oder Bleiröhren durch die Hausberge zur Karthause und Burg geleitet. Auch der Lcyensche Hof war durch Bleiröhren an sie angeschlossen. Die Güter der Karthause (44 ha Acker etc.) wurden am 19. Mai 1808 für 5600 Taler oder 21 000 Franken verkauft.

Nickenich und Kloster Maria Laach

Enge Beziehungen verbanden das mittelalterliche Dorf Nickenich mit der berühmten Abtei am See, die einst, wie noch heute, ein wahres Kulturzentrum unserer Gegend war. Pfalzgraf Heinrich von Laach hatte das Kloster im Jahre 1093 gestiftet. Kloster und Kirche erhoben sich, doch ihre Vollendung (s. S. 13) war das Werk der Gräfin Hedwig von Are, die zu Nickenich ihren Sitz hatte. Sie stellte die Mittel für die Fortführung des von den Nachfolgern Heinrichs vernachlässigten Werkes zur Verfügung und so ist denn der Laacher Dom letzten Endes ein Werk der Gräfin Hedwig. Dankbar ehrten die Laacher Mönche ihre große Wohltäterin durch eine Inschrift an einer Säule im Chor, in der sie von der Himmelsmutter den Himmel für die Gräfin erflehten. Auch die leider verschollenen "Stifterteppich" der Abtei trugen ihr Bild.

Graf Gerhard von Hochstaden, Hedwigs Gemahl, hatte der Abtei die zweite Hälfte des Sees geschenkt, während die erste Hälfte der Neugründung von dem Pfalzgrafen Heinrich überwiesen worden war. Auf diese Schenkung mögen die Ansprüche der Gemeinde Nickenich auf Fischrecht im See, "soweit er den Gemeindebann bespüle", zurückzuführen sein, die sie im 15. Jahrh. erhob. Der Abt von Laach ließ dazu gelegentlich des unberaumten Gerichtstermines erklären, wenn die Vertreter Nickenichs Marksteine (Grenzsteine) im See nachweisen könnten, sei er bereit, die Ansprüche des Ortes anzuerkennen, anderenfalls müßte die Gemeinde auf ihre behaupteten Ansprüche verzichten, wie es auch geschah. So berichtet der Laacher Mönch Tilmann von Bonn (1499).

Im 14. Jahrh. stellte eines der Nickenicher Adelsgeschlechter dem Kloster Laach einen Abt in dem Ritter Johann Winkelin von Nickenich, der von 1328-33 dem Kloster vorstand. Ein weiterer Sproß dieses Geschlechtes, Dietrich Winkelin, trug gleichfalls zu Laach das benediktinische Ordenskleid (um 1373). Mehrere der Nickenicher Adelsfamilien machten der Abtei reiche Güterschenkungen, einige haben dort ihre Begräbnisstätte gestiftet.

Die Gerechtsame des Klosters in der Nickenicher Gemarkung waren unbedeutend; sie beschränkten sich auf einige zinspflichtige Leute. Ein Streit mit der Pfarrkirche Nickenich wegen des Zehnten wurde 1384 beigelegt. Auch ein Streitfall zwischen Laach und der Gemeinde wegen des Weidganges und der Viehtrifft am "Haferstuck" wurde 1558 unter Vermittlung des Erzbischofs von Trier zu friedlichem Ausgleich geführt.

(1) An den Besitz eines Nonnenklosters erinnern die Flurnamen "im Nonnenstuck« und "am Nonnenpfad".


 
Nickenich in der Pellenz, Seite 50 bis 54 Index Vorherige Seite Nächste Seite

Ein Bibelzitat: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. [Psalm 119, 105]




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