Pfarrer Haud über den Charakter der Nickenicher (1775)

Den Schluß des Büchleins mögen folgende Ausführungen des Pfarrers Haud (1753-84) über den Charakter der Nickenicher zu seiner Zeit bilden. Er schreibt in seinem Lagerbuch (in möglichst wörtlicher Obersetzung):

"Soll ich Lob und Tadel abwägen, so überwiegt jenes. Denn der größte Teil zählt unter die guten Christen; bei andern, die in ihrem Handeln solche nicht sind, besteht die sichere Hoffnung, daß sie es werden. Denn in freiwilligem Besuche des Gottesdienstes wetteifern sie, gern hören sie das Wort Gottes, gehen häufig zu den hl. Sakramenten und halten die herkömmlichen Prozessionen zu den hl. Stätten. Sie kleben nicht am Besitz. Gern und reichlich spenden sie Almosen sowohl den Bettelmönchen wie anderen Bedürftigen. Untereinander leihen sie sich wechselseitig hilfreiche Hand. Groll halten sie kaum bis zum folgenden Tage nach; Verunglimpfungen, die man ihnen antut, ziehen sie ins Lächerliche. Immer, auch in der Armut, sind sie heiter, Männer sowohl wie Frauen. Die geborenen Nickenider sind für Studien aller Art sehr geeignet, es fehlt ihnen nur bisweilen an der nötigen Ausdauer. Sie haben eine treue Gesinnung und offene Herzen, und deshalb machen sie sich, wenn sie in der Fremde weiten, allgemein beliebt und gewinnen leicht aller Herzen.

Zu tadeln ist an ihnen, daß ihnen bisweilen Männlichkeit fehlt, insofern als sie leicht umzustimmen sind; sie lassen sich auch leicht einschüchtern. Sie können nicht gut Geheimnisse bewahren; nicht so sehr die Überlegung als die Zunge hat bei den meisten von ihnen die Herrschaft. Sie sind neugierig auch in Dingen, die sie nichts angehen. Das Neue macht auf sie großen Eindruck, dennoch verschreiben sie sich ihm nicht leicht, noch ahmen sie fremden Sitten nach, obwohl es manchmal gut wäre. Bei ihren Handlungen überlegen sie nicht den Ausgang und die Gefahren. Sie denken zu wenig an die Zukunft. In wichtigen Angelegenheiten holen sie keinen Rat von irgendwoher ein, sondern sie pflegen einfach drauflos zu handeln. Unglücklichen Ausgang ihrer Unternehmungen schreiben sie dem Zufall, nicht ihrer eigenen Schuld zu, obwohl sie schon oft eines anderen hätten belehrt sein können.


 
Nickenich in der Pellenz, Seite 58 Index Vorherige Seite Nächste Seite

Ein Bibelzitat: Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus. [Römer 5, 1]




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