Pfarrkirche: Orgel

Die Orgel der Pfarrkirche in Nickenich:

Artikel aus einer Tageszeitung vom Dezember 1935

Orgelweihe in Nickenich

am dritten Adventssonntag

Nickenich, 17. Dez. Die Pfarrgemeinde Nickenich ist zu neuem Leben erwacht seit der Einführung des neuen Pfarrers J. Schulz im Juni dieses Jahres. In der kurzen Spanne Zeit ward viel getan. Energische Zusammenfassung aller Kräfte zur Gestaltung eines lebendigen Gottesdienstes an Werk- und Festtag war bestimmend. Nun hat der Bau der so dringend notwendigen neuen Orgel einen ersten Abschnitt in diesem mutigen Vorwärtsgehen abgeschlossen.

Die Feierstunde des Gaudetesonntags hat allen Nickenichern und ihren Gästen - der Bedeutung des Tages entsprechend war vor allem viel Klerus aus der Nachbarschaft und Ferne herbeigeeilt - eindringlichst zeigen können, daß der Pastor von Nickenich jene programmatischen Worte Christi, die er bei der Einführung ausgesprochen hat und die wir auf ihn selbst anwenden können, in allem Eifer zu verwirklichen strebt: "Ich bin gekommen, daß   sie Leben haben und daß sie es in überreichem Maße haben."

Klar war bereits der äußere Aufbau der Feierstunde. Festliche Worte des Predigers, Pater Stephan Hilpich O.S.B. riefen Freude wach in aller Herzen, Freude ob der unter gemeinsamen Opfer vollbrachten Tat, Freude ob des wohlgelungenen Werkes der Orgel selbst. Die Orgel soll allezeit der Gemeinde künden von den Großtaten der Macht und des Erbarmens Gottes, so wie sie uns im hl. Jahre der Kirche in stets lebendiger Gegenwart entgegentreten. Der Orgel folgend, soll auch die Gemeinde in einiger Harmonie diesem Lobpreis der Erlösungstat sich anschließen, bis sie es einst ewig singen wird vor dem Throne des Lammes.

Die feierliche liturgische Weihe der Orgel, vollzogen von Definitor Schuth von Eich, gab nun dem Werke der Menschenhand den Segen Gottes, der es würdig machen soll, in der Kirche Gottes Lob zu künden. Sinnige Gedichte riefen dann, eindrucksvoll von Mädchen und Jungen vorgetragen, die Orgel auf zum ersten Gotteslob, zum ersten Christuslob (Lob an den neugeborenen, den leidenden, den auferstandenen Christus) und zum ersten Marienlob.

Mit größter Erwartung lauschten jetzt die Andächtigen in der übervollen Kirche. Es ist allerdings schwer, zu entscheiden, was hier zuerst gelobt werden soll: die Orgel selbst, das Werk des Orgelbauers oder das meisterhafte Spiel von Pater Anselm Roß O.S.B, des Organisten der Abtei Maria Laach.

Der Orgelbaumeister hat Vortreffliches hier geleistet. Ein Werk, erwachsen ganz aus den hochgemuten Bestrebungen der modernen Orgelbewegung, will diese Orgel nicht in falscher und überlebter Romantik ein schließlich doch fragwürdiger Orchesterersatz, sondern eine echte Orgel im Sinne moderner "Sachlichkeit" sein, also ein eigener, abgeschlossener Klangkörper, der fähig ist, die klassische Orgelliteratur in klarster Weise zum Ausdruck zu bringen. Schon rein äußerlich ist der Anblick der Orgel ein Hochgenuß. Die Orgelpfeifen, wohl eingepasst in den Kirchenraum, lassen bereits in ihrem Aufbau die innere Struktur der Orgel erkennen. Die früher allgemein übliche Bedeckung des Innern durch die sog. Prospektpfeifen ist also ganz weggefallen. Der Spieltisch teilt die 28 Register in drei Manualien, eine ganz besondere technische Feinheit dieses Werkes. Kurz: mit verhältnismäßig wenig Mitteln hat hier eine Dorfkirche ein Werk erhalten, das ihrem Gottesdienst immer wieder neue Begeisterung geben wird, so wie es bei dieser Feier geschah.

Ausgezeichnet verstand es der Organist, Werke der klassischen Orgelkunst abzuwechseln mit eigenen Variationen, die im Anschluß an Liedmotive des Kirchenjahres auch dem stets mit gespannter Aufmerksamkeit lauschenden weiteren Kreise der Hörer leicht verständlich waren. Das ganze Spiel wurde unter solcher Meisterhand erhebender, echter Gottesdienst. Die Ergriffenheit der Andächtigen wurde deutlich, als unter der machtvollen Führung der Orgel die ersten Lob- und Preislieder vom ganzen Volke gesungen wurden. Es waren altbekannte Trierer Weisen; aber sie waren wie neu in der Begeisterung der Singenden, im gläubigen Bekenntnis der da sich offenbarenden Seele, ja sogar in der technischen Ausführung des Vortrags, in Tempo und Rhythmus.

Die Anzündung des Adventlichterkranzes führte weiter. Ein sinniger Brauch, ausgeführt unter dem feinen und sicheren Gesang der Sängerknaben (übrigens kein kleiner Ruhm für Nickenich!). Das Licht Christi, das Leuchten des "Sterns aus Jakob", wurde in seiner tiefen Symbolik vor aller Augen lebendig und leitete zum sakramentalen Segen über.

Das Te Deum vor dem eucharistischen Herrn faßte noch einmal die Gesinnung aller zusammen: Dank gegen Gott, der den Menschen durch Werk und Spiel der Künstlerhand solche Möglichkeiten zu echter Freude und enthusiastischer Begeisterung und zu einem wahrhaft lebendigen Vor-Gott-Stehen gegeben hat.

Den sangesfrohen Nickenichern aber darf man Glück wünschen zu diesem Tage, der ihrem Gotteshause, dank der Tatkraft von Pastor Schulz, ein solches Werk bescherte!

Die Orgelpfeifen:

Die Klaviatur:


Leider ist die Orgel und Ihre Klaviatur zu groß um Sie am Stück zu fotografieren.



Ein Bibelzitat: Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein. [Psalm 118, 24]




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