Pfarrkirche Sankt Arnulfus zu Nickenich

Ansicht der Pfarrkirche

Pfarrkirche

Die heutige Pfarrkirche ist wohl die dritte ihrer Art. Dem ersten Bau folgte gegen 1200 die zweite Kirche, die auf den Resten einer römischen Villa errichtet wurde. Von dieser ist heute noch der romanische Turm erhalten. Der zweite Bau bestand aus Hauptschiff, Chor, kleinem , nördlichem Nebenschiff und der neben dem Chor befindlichen Sakristei. An der Südseite wohl 1500 um die Luziakapelle (Gramanns-Chörchen) und 1739 um den Nordflügel erweitert. Der Kirchturm, 1762 vom Sturm abgedeckt, erhielt seine heutige Gestalt.
Grundriss 1828 betonte Bischof von Hommer die Notwendigkeit eines Neubaus. Architekt Johann Claudius von Lassaulx (1781 - 1848) entwarf 1844 die Pläne für einen Neubau, mit dessen Ausführung 1845 begonnen werden konnte. 1848 kam das Werk zum Abschluß und die Kirche wurde am 25. September 1849 von Bischof W. Arnoldi feierlich konsekriert.
Die Hallenkirche steht auf kreuzförmigem Grundriß in Ost-Richtung. Sie ist als Vierstützenraum angelegt und im Zentrum von sich kreuzenden Achsen durchzogen. Der Chor besteht aus einem Zweidrittelkreis.
Im dreischiffigen und dreijochigen Kirchenraum sind die mittleren Joche querschiffartig ausgeweitet. Die Seitenschiffe enden in Nebenapsiden. Nördlich des Altarraumes und der Apsis des Seitenschiffes sind die Sakristeigebäude angefügt. Zwischen Kirchenschiff und Turm wurde ein Zwischentrakt eingefügt, mit Eingangshalle im Erdgeschoß und Orgelbühne im Obergeschoß. In das Schiff sind vier achteckige Säulen mit ebenfalls achteckigem Sockel und einem Wulst eingestellt. Der Altarraum ist gegenüber dem Schiff um fünf Stufen erhöht.
Das unverputzte Mauerwerk wurde in Ton- und Grauwackeschiefer ausgeführt. Für die Gewände und die in die Wandflächen eingebundenen Zierformen wurde Basaltlava, Tuff und heller Sandstein verwendet. Eine umfassende Renovierung wurde 1974 beendet; 1996/1997 wurde der Turm saniert.
Bei der im Jahr 1848 nach den Plänen des Architekten von Lassaulx erbauten neuen Kirche wurde der alte romanische Kirchturm beibehalten, die Sakristei wurde zum Teil nach dem vormaligen Zustand wiederhergestellt und 1938 erweitert.
Der romanische Westturm hat einen quadratischen Grundriß von etwa sieben Meter Seitenlänge. Der Turm erhebt sich, nach oben leicht verjüngend, in vier durch Gesimse voneinander getrennten Geschossen. Das Erdgeschoß mit rundbogigem Eingang auf der Südseite zeigt im aufgehenden Mauerwerk regelmäßige Schichten von dünnen Ziegellagen, die wohl auf eine Verwendung hier vorhandener römischer Baureste zurückzuführen sind. Das erste und das zweite Obergeschoß zeigen nach allen Seiten nachträglich zugemauerte Schallöffnungen, ein Hinweis auf eine zweimalige noch in mittelalterlicher Zeit erfolgte Erhöhung des Turmes. Über dem obersten Kranzgesims erhebt sich der schlanke achteckige und geknickte Helm.

Patronat

St. Arnulfus

Laut der ersten urkundlichen Erwähnung 1069 war die Kirche dem hl. Maximin geweiht. Im Jahre 1335 wurde der Erzbischöfliche Stuhl von Trier unter Erzbischof Balduin freier Besitzer der Pfarrkirche zu Nickenich. Dieser schenkte 1335 die Kirche dem Karthäuserkloster St. Alban in Trier, in einer Urkunde von Papst Urban VI. 1387 bestätigt. Seit dieser Zeit blieb die Parrkirche im Besitz der Karthause bis zur Säkularisation 1802.
Wahrscheinlich wurde unter dem Einfluß der Abtei Laach der Wechsel des Patronats durch Abt Johann Winkelin von Nickenich (1328 - 1333) veranlaßt und St. Arnulphus, Bischof von Metz (+ 641) zum Kirchenpatron erhoben.
Bereits 1354 verliehen 15 Bischöfe von Avignon allen Gläubigen, welche die Reliquien des Heiligen zu Nickenich verehrten, einen Ablaß von 40 Tagen.
Um 1430 stifteten die Adeligen der Gemeinde die Arnulphusbruderschaft und 1440 wird bereits der Arnulphusaltar erwähnt. Erste Nachrichten von Wunderheilungen stammen aus dem 16. Jahrhundert. Im Jahre 1754 wurde die Arnulphusverehrung zu Nickenich von Rom anerkannt. Zahlreiche Prozessionen aus der Umgegend führten nach Nickenich (1753 - 1784 jährlich an die 3000 Pilger) um vom heiligen Arnulphus Heilung bei "Hauptweh, Dollsucht und Raserey" zu erflehen. Durch Kriegswirren und deren Folgen ging die Verehrung im Laufe der Jahrhunderte immer weiter zurück und beschränkt sich heute auf das jährliche Patronatsfest.

Zeittafel

ca. 1069Erste urkundliche Erwähnung der (ersten) Kirche durch Alexander II.
1335der Erzbischöfliche Stuhl von Trier wird Besitzer der Pfarrkirche zu Nickenich
ca. 1200Bau der (zweiten) Kirche, bestehend aus Hauptschiff, Chor, kleinerem nördlich angehängtem Nebenschiff, Sakristei und Turm, der heute noch erhalten ist.
1739Erweiterung um den Nordflügel;
Herrichtung des Turmes (in der heutigen Gestalt)
1831Baupläne für eine neue (dritte) Kirche in Nickenich durch die kirchliche Behörde in Trier
2. 5. 1845Grundsteinlegung Architekt: J. C. von Lassaulx aus Koblenz
25.9.1849Einsegnung der neuen Kirche
1938Anbau der heutigen Sakristei
1974Umfangreiche Renovierungsarbeiten
 

Schlußstein im gotischen Deckengewölbe der alten Sakristei
Schlußstein im gotischen Deckengewölbe der alten Sakristei

Taufstein
Taufstein

Vortragskreuz
Vortragskreuz

Hauptportal
Hauptportal

Quellenangaben:
Wilkes, C. : Nickenich in der Pellenz, Andernach, 1925
Geschichte der Dekanate Andernach, Gondershausen und St. Goar. Bearb. v. P. Schug, Veröffentlichungen des Bistumsarchivs Trier, Heft 20, Trier 1970.



Ein Bibelzitat: Christus hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war. [Kolosser 2, 14]




Links
Bilder aus Nickenich

st-arnulf.de