Ehrung des Pfarrers Johannes Schulz in Nickenich

Am 3. Adventssonntag, dem 14.12.2008, wurde in der Heiligen Messe, dem im Konzentrations-lager Dachau umgekommenen Nickenicher Pfarrer Johannes Schulz gedacht und anschließend der Platz um die Pfarrkirche nach ihm benannt.
Im Hochamt würdigte Pfarrer Missong in seiner Predigt die Verdienste des Pfarrers, der von 1935 bis 1942 Seelsorger in Nickenich war. Er war ein strenger Pfarrer. Er sah sich als Hirte seiner Herde, der verantwortlich war, dass keines seiner Schafe verloren ging. Er war mitfühlend, hilfsbereit und geradlinig, aber auch streng in seinen Forderungen an sich selbst und an seine Pfarrgemeinde. In seiner Christlichen Überzeugung war er unbeugsam und in seiner Amtsführung zu keinen Zugeständnissen bereit. So war er auch vielen unbequem. Viele ältere Mitbürger erzählen heute noch von dem sozialen Engagement dieses Pfarrers, wie er sich um arme Menschen gekümmert hat, was er an der Kirche geleistet hat. Die jetzige Orgel wurde eingerichtet, die Sakristei angebaut, vorwiegend um darin Religionsunterricht geben zu können, da kein Pfarrer mehr die Schule betreten durfte und vieles mehr. Andere berichten von seiner Strenge, wie zornig er werden konnte. Als Kind seiner Zeit ist ihm auch manchmal die Hand ausgerutscht. Er hat Kinder geschlagen. Es war eingebettet in die Pädagogik der damaligen Zeit, dass Lehrer Kinder schlugen. Das ist bei einigen auch heute noch nicht vergessen. Es blieb nicht aus, dass er gegen den Nationalsozialismus Stellung bezog. Es konnte nicht lange dauern, bis er bei der damaligen Obrigkeit auffiel. Mindestens seit 1937 wurde eine Karteikarte bei der Gestapo in Koblenz über Pfarrer Schulz geführt. Darin ist beispielsweise ein Eintrag, dass er sich für die Bekenntnisschule einsetzt habe. Im letzten Eintrag der etwa 14 Tage vor seiner Verhaftung verfasst wurde, heißt es: „ Er ist in der Jugendseelsorge tätig.“ Wenn wir das heute lesen, können wir sagen, er hat als Priester seine Pflicht getan. Er hat das getan worauf er bei seiner Weihe verpflichtet wurde. Er hat nicht über das Unrecht in dieser Zeit geschwiegen und hat gesagt, was er gedacht hat, auch in den Predigten. Er hat seine priesterliche Pflicht erfüllt.
Der letzte entscheidende Punkt war die Verweigerung des Hitlergrußes im Restaurant Waldfrieden. Wenn heute einige sagen, warum ist er und Pfarrer Josef Zilliken aus Wassenach dahin gegangen? Sie wussten doch, dass der Göring dahin kam. Oder, warum haben denn beide nicht gegrüßt? Was wäre das heute ein Skandal, wenn beide Pfarrer beim Hitlergruß fotografiert worden wären? Wie würde die Presse und verschiedene Gruppen und Gruppierungen das heute noch ausschlachten? Zwei Katholische Pfarrer beim Hitlergruß auf einer Fotografie aus der damaligen Zeit. Andererseits wie lange hätte es noch gedauert bis Pfarrer Schulz sowieso verhaftet worden wäre? Seine Akte bei der Gestapo hätte jedenfalls für eine Verhaftung ausgereicht.
Wir wissen von Mitgefangenen in den Konzentrationslagern, wie fürsorglich er gegenüber den anderen war. Er hat die anderen getröstet und umsorgt. In seinen Briefen aus den KZ ist keine Bitterkeit, er hat sein Leiden angenommen für seine Gemeinde. In einem Brief schreibt er: „Ich glaube ich muss einmal ein großes Opfer bringen und das ist der Tod im Lager, um meiner guten Pfarrei zu zeigen, was priesterliche Verbindung mit einer Gemeinde eigentlich bedeutet.“
Wenn wir uns heute fragen, warum hat keiner was über das damalige Unrechtsregime gesagt? Pfarrer Schulz hat etwas gesagt, nicht im Verborgenen oder heimlich, wo es leicht gewesen wäre zu bekennen, sondern öffentlich, auch in den Predigten. Auch in Waldfrieden hat er zum Ausdruck gebracht, was er dachte. Das Regime war mit seinen christlichen Werten nicht zu vereinbaren. Von daher ist nicht die Frage zu stellen: Warum hat er nicht in Waldfrieden gegrüßt? Sondern wir können sagen, er hat den Mut gehabt nicht zu grüßen. Denn er war schlau genug, zu wissen, was das für Folgen haben würde. Er ist einer der vielen Priester aber der wenigen Menschen, die damals konsequent ihren Weg gegangen sind. Als bekennender Christ ist am 19. August 1942 für seine Überzeugung im KZ Dachau den Hungertod gestorben.
Nach dem Hochamt segnete Pfarrer Missong die Platzschilder, die in der Kirche vor dem Altar aufgestellt waren. Danach ging die große Gemeinde in einer Prozession zum Kirchenvorplatz, der ab jetzt Pfarrer-Johannes-Schulz-Platz heißt.
Ortsbürgermeister Gottfried Busch stellt in seiner Ansprache fest, dass es an der Zeit sei den Einsatz des Pfarrers gegen das damalige Unrechts- und Gewaltregime zu würdigen. Er ging auf das Wirken des Pfarrers in Nickenich ein, von seiner Strenge, Disziplin und Konsequenz, die vielen Gemeindmitgliedern unbequem war. Schon auf seiner vorhergehenden Pfarrstelle in Derlen geriet Pfarrer Schulz in Konflikt mit den Nationalsozialisten. Auch in Nickenich hatte die Gestapo den Pfarrer fest im Blick. Gottfried Busch ging in seiner Ansprache weiter auf die Zeit nach der Verhaftung, auf seine Gottergebenheit, seinen Glauben und auf seine Sorge um die Gemeinde, ein. Er schloss mit einem Appell: „ Sein Eintreten gegen das Unrechtsregime soll auch uns Mut geben, gegen Ungerechtigkeit und Gewalt einzutreten.“
Anschließend segnete Pfarrer Missong den Pfarrer-Johannes-Schulz-Platz und symbolisch wurde ein Namensschild an einen Pfahl auf dem Platz montiert.
Warum wurde Pfarrer Johannes Schulz erst mehr als 60 Jahren nach seinem gewaltsamen Tode Kirchen- und Zivilgemeinde gewürdigt?
Bei der Beisetzung der Urne von Pfarrer Schulz am 07. März 2004 in das Priestergrab in Elm-Derlen durch Bischof Dr. Reinhard Marx, war eine große Anzahl von Nickenicher zugegen. Von der Predigt des Bischofs im Pontifikalamt waren viele Nickenicher sehr beeindruckt. So manches, was Pfarrer Schulz in Nickenich geleistet hat, war bereits in Vergessenheit geraten. Von vielen Pfarrangehörigen kamen Fragen: Was ist bisher in Nickenich in dieser Sache geschehen? Wir dürfen diesen Pfarrer nicht vergessen. Da muss was getan werden.
Der Pfarrgemeinderat griff die Sache auf. Die Pfarregemeinde gedenkt ab dem Jahre 2004 im Festhochamt an Kirmes ihres früheren Pfarrers Johannes Schulz, da an Kirmes 1942 die Todesnachricht nach Nickenich kam.Seit der Umbettung der Urne nach Elm-Derlen, fahren viele Nickenicher jedes Jahr zum Grabe des Pfarrers. Der Pfarrgemeindrat beschloss eine Gedenktafel zum 65. Todesjahres von Pfarre Schulz in der Kirche anzubringen. Die Gedenktafel wurde kurz nach seinem Todestag 26.August 2007 im Kirmeshochamt eingesegnet.
Um Pfarrer Schulz auch innerhalb des Ortes zu würdigen, beschloss der Pfarrgemeinderat und der Pfarrverwaltungsrat den Platz um die Kirche Pfarrer-Johannes-Schulz-Platz zu nennen. Nach einer Anfrage bei der Ortsgemeinde, befürwortete diese auch das Vorhaben.
So konnte am 3.Adventssontag der Platz um die Kirche dem früheren Pfarrer von Nickenich durch die Kirchen- und Ortsgemeinde gewidmet werden.

Platzschilder vor dem Altar bei der Segnung. Darüber das Brustkreuz, das Pfarrer Schulz als Militärpfarrer während des ersten Weltkrieges getragen hat.

Bürgermeister der Verbandsgemeinde Pellenz Klaus Bell und Ortsbürger Gottfried Busch bei der Ansprache auf dem Pfarrer-Johannes-Schulz-Platz

Pfarrer Missong segnet den Pfarrer-Johannes-Schulz-Platz

Anbringen des Platzschildes

« Frohe Weihnachten   » Bolivienkleidersammlu…

St. Arnulf Nickenich   Bilder aus Nickenich