Fahrt zum Grabe von Pfarrer Johannes Schulz

Am 08. August 2009 fuhren eine große Anzahl aus der Pfarreiengemeinschaft Kruft und Nickenich zum Grab von Pfarrer Johannes Schulz nach Elm-Derlen im Saarland.
Pfarrer Schulz war von 1935 bis 1942 Pfarrer in Nickenich. Aus seiner Abneigung gegenüber dem Nationalsozialismus machte er in Elm sowie später in Nickenich keinen Hehl. Am 27. Juni 1940 ereignete sich eine folgenschwere Begegnung mit dem Generalfeldmarschall Hermann Göring. Pfarrer Schulz und Pfarrer Josef Zilliken aus Wassenach hatten sich im Gasthaus Waldfrieden getroffen, wie sie es öfter taten. Als Göring die Gaststätte betrat und später wieder verließ, standen sie nicht auf und grüßten nicht mit dem Hitlergruß. Noch am selben Abend wurden beide Pfarrer auf Anordnung von Generalfeldmarschall Hermann Göring verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Zuletzt waren beide Pfarrer im KZ Dachau inhaftiert. Hier mussten sie schmachvolle Behandlungen und Quälereien über sich ergehen lassen. Entgegen allen Bemühungen der Lageraufseher, sie körperlich und seelisch zu vernichten, behielten die beiden doch ihren Lebensmut und ihren unzerstörbaren Humor. Von der Sorge um seine anvertraute Herde zeugen die vielen erhaltenen Briefe von Pfarrer Schulz aus den Konzentrationslagern an Mitglieder seiner Pfarrgemeinde Nickenich und seine Angehörigen. Seine Mitgefangenen haben berichtet, wie er sich um sie gekümmert und sie getröstet hat. Im Frühjahr 1942 wurden die Essensrationen besonders für die Geistlichen im KZ Dachau drastisch gekürzt. Sie sollten den Hungertod erleiden. Wir haben Zeugen, die berichtet haben, dass Pfarrer Schulz das schreckliche Verhungern, ein elendes Umkommen, verwandelt hat durch sein eigenes Glaubenszeugnis, dadurch, dass er das, was im von der bösen Gewalt aufgedrängt wurde, verwandelt hat durch die hingebende Liebe, in dem er sich für seine Herde geopfert hat. Seine letzten Worte an seine Gemeinde waren: „Ich sterbe für meine Gemeinde, damit alle gerettet werden für die Ewigkeit.“ Das ist die Gesinnung eines christlichen Märtyrers.
Nach der Ankunft in Elm-Derlen zelebrierten der dortige Pfarrer Hans-Georg Müller, Pfarrer Norbert Missong von der Pfarreiengemeinschaft Kruft, Nickenich und Pfarrer Konrad Herz aus Polen ein Levitenamt für den im KZ ermordeten Priester. Zu der Hl. Messe waren auch viele Elmer Bürger gekommen, so dass in der Kirche nur noch wenige Plätze unbesetzt blieben.
Die Predigt hielt Pfarrer Müller. Hier sind die wichtigsten Gedanken aus der Predigt:
Wir haben ja die Zeugen, die uns berichtet haben, wie er das was schrecklich ist, ein Verhungern, ein elendiges Umkommen verwandelt hat durch sein eigenes Glaubenzeugnis, dadurch, dass er was ihm von der bösen Gewalt im KZ aufgedrängt wurde, verwandelt hat in Liebe, die es zum Opfer gemacht hat. Er hat die anderen Mitgefangenen getröstet und sein Leiden angenommen. Sein Leiden kann Frucht bringen, so hat er es gesehen, für die Herde, für die er als Priester vorgestanden hat. Sie kann noch in dieser Zeit Frucht bringen für unsere Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften. Pfarrer Schulz ist ein Märtyrer und als Glaubenszeuge ein Beispiel für die heutigen Christen. Es liegt an uns, liebe Schwestern und Brüder, aus diesem Glaubenszeugen mehr zu machen. Den Ort seines Begräbnisses zu einem Ort des lebendigen Erinnerns zu machen, sich im Gebet mit ihm zu verbinden und so auch dafür zu sorgen, dass dieses Glaubenszeugnis für uns und für die kommenden Generationen fruchtbar wird. Es liegt an uns, liebe Schwestern und Brüder, ob daraus eine Verehrung wird, eine lebendige Erinnerung, die mehr als ein Totengedächtnis ist. Wir sind es, die eine Seligsprechung einleiten können, alle Seligsprechungen haben ihren Ursprung in der Verehrung durch die Gläubigen.
Nach dem Levitenamt ging die große Anzahl der Gottesdienstbesucher in einer Prozession zum Grabe von Pfarrer Schulz. Dort segneten die drei Pfarrer das Grab und sprachen ein Gebet. Nach der Gedenkfeier gab es ein frohes Wiedersehen der älteren Elmer und Nickenicher, die von früheren gegenseitigen Besuchen ihrer Vereine freundschaftliche Beziehungen haben. Pfarrer Schulz hatte diese gegenseitigen Besuche der Vereine in die Wege geleitet. Es wurden auch noch Bilder aus früheren Zeiten gezeigt und so manches Histörchen preisgegeben. Anschließend besichtigten wir die Ausstellung über das Leben von Pfarrer Schulz im Haus der Begegnung der Ortsgemeinde. Danach ging es gegen 13:00 Uhr zum Mittagessen in eine Gaststätte in Elm-Derlen.
Nach der Mittagspause fuhren wir weiter zum Kloster Maria Martental im Tal der wilden Ender. Pater Andreas Pohl von der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priestern erzählte uns von der Geschichte des Klosters von seiner Gründung bis zur heutigen Zeit. Die Anfänge des Klosters reichen bis in das 12. Jahrhundert zurück. Nach einer Überlieferungt wurden hier um das Jahr 300 in einem römischen Straflager römische Soldaten und Beamte, die Christen geworden waren und nicht mehr dem römischen Kaiser Opfer darbringen wollten, hingerichtet. Bei Umbauarbeiten wurden römische Münzen und Mauerreste gefunden. Was zunächst als Legende galt, wurde durch diese Funde als Wahrheit erkannt: Christen, die Ihren Glauben bekannten, wurden zu Märtyrern, die Frucht brachten für diesen Ort, ähnlich wie Pfarrer Schulz durch sein Glaubenszeugnis Frucht bringen kann für uns heute.
Nach einem Gebet in der Walfahrtskirche war noch ein gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen im Pilgerheim. Pfarrer Herz sorgte mit seinem Akkordeon für Stimmung im Gastraum. So manches Lied wurde mitgesungen. Vorher hatte er mit seiner Trompete bekannte Choräle in den Kirchen gespielt. Danach ging es wieder heimwärts. Gegen 18:00 Uhr kamen wir wieder froh und munter in Nickenich an.



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