Fahrt zum Grabe von Pfarrer Johannes Schulz

Am 03. Juli 2010 fuhr eine große Anzahl von Personen aus der Pfarreiengemeinschaft Kruft /Kretz und Nickenich trotz der großen Hitze an diesem Tag zum Grab von Pfarrer Johannes Schulz nach Elm-Derlen im Saarland.
Pfarrer Schulz war von 1935 bis 1942 Pfarrer in Nickenich. Aus seiner Abneigung gegenüber dem Nationalsozialismus machte er in Derlen sowie später in Nickenich keinen Hehl. Am 27. Juni 1940 ereignete sich eine folgenschwere Begegnung mit dem Generalfeldmarschall Hermann Göring. Pfarrer Schulz und Pfarrer Josef Zilliken aus Wassenach hatten sich im Gasthaus Waldfrieden getroffen, wie sie es öfter taten. Als Göring die Gaststätte betrat und später wieder verließ, standen sie nicht auf und grüßten nicht mit dem Hitlergruß. Noch am selben Abend wurden beide Pfarrer auf Anordnung von Generalfeldmarschall Hermann Göring verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Zuletzt waren beide Pfarrer im KZ Dachau inhaftiert. Hier mussten sie schmachvolle Behandlungen und Quälereien über sich ergehen lassen. Entgegen allen Bemühungen der Lageraufseher, sie körperlich und seelisch zu vernichten, behielten die beiden doch ihren Lebensmut und ihren unzerstörbaren Humor. Von der Sorge um seine anvertraute Herde zeugen die vielen erhaltenen Briefe von Pfarrer Schulz aus den Konzentrationslagern an Mitglieder seiner Pfarrgemeinde Nickenich und seine Angehörigen. Seine Mitgefangenen berichteten später, wie er sich um sie gekümmert und sie getröstet hat. Im Frühjahr 1942 wurden die Essensrationen besonders für die Geistlichen im KZ Dachau drastisch gekürzt. Sie sollten den Hungertod erleiden. Zeugen haben berichtet und aufgeschrieben, dass Pfarrer Schulz das schreckliche Verhungern, ein elendes Umkommen, verwandelt hat durch sein eigenes Glaubenszeugnis, indem er das, was im von der bösen Gewalt aufgedrängt wurde, verwandelt hat durch die hingebende Liebe, in dem er sich für seine Herde geopfert hat. Seine letzten Worte an seine Gemeinde waren: „Ich sterbe für meine Gemeinde, damit alle gerettet werden für die Ewigkeit.“ Das ist die Gesinnung eines christlichen Märtyrers.
Nach der Ankunft in Elm-Derlen zelebrierten der dortige Pfarrer Hans-Georg Müller und Pfarrer Norbert Missong von der Pfarreiengemeinschaft Kruft, Nickenich eine feierliche Hl. Messe für den im KZ ermordeten Priester. Der Krufter Kirchenchor gestaltete den Gottesdienst mit und gab ihm einen feierlichen Rahmen. Zu der Hl. Messe waren auch viele Derlener Bürger gekommen, so dass in der Kirche nur noch wenige Plätze unbesetzt blieben.
Die Predigt hielt Pfarrer Müller. Hier sind einige wichtige Gedanken aus der Predigt:
Den Vers aus dem Johannes-Evangelium „Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben“ danach hat auch Pfarrer Schulz vorgelebt. Er ist den Weg in der Nachfolge Christi unbeirrt gegangen. Diese Wahrheitsliebe und Geradlinigkeit haben seine Freunde ebenso erfahren wie auch seine Gegner. Diese Eigenschaften waren aber seinen Gegnern ein Dorn im Auge. Er hat nicht geschwiegen, er hat die Machenschaften des Naziregimes bei seinen Predigten und wo sich sonst noch eine Gelegenheit bot, angeprangert. Den Bedürftigen in seinen Pfarreien erst in Derlen und später in Nickenich hat er sofort und ohne viel Aufsehen, geholfen. Später in den Konzentrationslagern hat er sein Leiden angenommen und andere Mitgefangene getröstet. Somit verwandelte er sein Leiden, sein elendes Verhungern durch sein eigenes Glaubenzeugnis, dadurch, dass er was ihm von der bösen Gewalt im KZ aufgedrängt wurde, in Liebe zu anderen und zum Glaubenszeugnis für Jesus Christus. So glauben wir auch, dass er bei Gott ist. Der Ort seines Begräbnisses ist ein Ort des lebendigen Erinnerns. Verbinden wir uns mit ihm zum Gebet und sorgen wir dafür, dass dieses Glaubenszeugnis für uns und für die kommenden Generationen fruchtbar wird. Leben wir unseren Glauben so geradlinig und konsequent wie er. Wir haben ja sein Vorbild hier in der Pfarreiengemeinschaft Schwalbach und in der Pfarreiengemeinschaft Kruft, Kretz und Nickenich.
Nach der Hl. Messe ging die große Anzahl der Gottesdienstbesucher in einer Prozession zum Grabe von Pfarrer Schulz. Dort segneten beide Pfarrer das Grab und sprachen ein Gebet. Da der Ortbürgermeisters Busch verhindert war, legte der Vorsitzende der Pfarreien- gemeinschaft Kruft, Kretz und Nickenich ein Gesteck von der Ortsgemeinde Nickenich nieder. Wie immer nach der Gedenkfeier, gab es ein frohes Wiedersehen der älteren Elmer und Nickenicher, die von früheren gegenseitigen Besuchen ihrer Vereine freundschaftliche Beziehungen aufrecht halten. Pfarrer Schulz hatte diese gegenseitigen Besuche der Vereine in die Wege geleitet. Danach ging es gegen 13:00 Uhr zum Mittagessen in eine Gaststätte in Elm-Derlen.
Nach der Mittagspause führte uns Pfarrer Müller durch den Ort und zeigte uns Stellen, die noch heute an Pfarrer Schulz erinnern. Am Sebastiansdenkmal erzählte er, dass Pfarrer Schulz bei der Feier nach der Eingliederung des Saarlandes ins damalige 3. Reich, die in Derlen an diesem Denkmal statt fand, im priesterlichen Ornat mit einer Schar Messdiener erschien. So brauchte er nicht den Hitlergruß darzubieten und die damaligen Machthaber konnten ihm seine Abwesenheit nicht vorwerfen. Schulz war ein großer Verehrer des Heiligen Sebastian, so Pfarrer Müller. Beide erlitten den Tod für ihren Glauben.
Nach dem Rundgang besichtigten wir die Ausstellung über das Leben von Pfarrer Schulz im Haus der Begegnung, durch die uns Pfarrer Müller mit vielen Erklärungen führte. Anschließend hatten die Frauen der dortigen Katholischen Frauengemeinschaft für Kaffee und Kuchen gesorgt. Pfarrer Müller musste noch so manche Fragen beim gemütlichen Beisammensein beantworten. Abschließend bedankten sich die Vorsitzende des Kirchenchors und der Vorsitzende der Pfarreiengemeinschaft für die Gastfreundschaft der Pfarrei St. Josef in Derlen und bei Pfarrer Müller, dass er sich für uns so viel Zeit genommen hatte.
Danach ging es wieder heimwärts. Gegen 19:00 Uhr kamen wir wieder froh und munter in Kruft und Nickenich an.

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